Untersuchungen zur männlichen Zeugungsfähigkeit

Rund 40 % der Fruchtbarkeitsprobleme sind nur auf den Mann zurückzuführen, ebenfalls 40 % ausschliesslich auf die Frau und weitere 20 % auf beide Partner1.

Um eine Diagnose zur männlichen Fruchtbarkeit anzustellen, muss in erster Linie die Qualität der Spermien untersucht werden. Fruchtbarkeitsspezialisten erstellen ein Spermiogramm, bei der etwa 12 – 15 Eigenschaften des Ejakulates gemessen werden. Hierzu zählt unter anderem die Anzahl der Spermazellen sowie deren Beweglichkeit und Morphologie. Für eine ordnungsgemäße Analyse ist ein frisches Ejakulat erforderlich.

Das untersuchte Sperma darf zum Zeitpunkt der Analyse nicht älter als eine halbe Stunde sein. Daher wird man als Mann in der Regel aufgefordert, in einem separaten Raum der Arztpraxis oder der Fruchtbarkeitsklinik zu masturbieren.

Die Samenanalyse liefert Informationen über die Zeugungsfähigkeit des Mannes zum Zeitpunkt der Analyse. Das Ergebnis ist lediglich eine Momentaufnahme und stellt keine absolute Garantie dar, dass das Sperma des Mannes immer gut oder weniger gut ist. Im Zeitablauf kann die Spermaqualität deutlich schwanken.

Auch lässt sich nicht erkennen, ob Umweltfaktoren für eine vorübergehende Minderung der Spermaqualität verantwortlich sind. Da neue Spermazellen mit einer Geschwindigkeit von 1.500 pro Sekunde produziert werden2, kann sich das Spermiogramm nach einigen Wochen deutlich verändert haben.

Weitere mögliche Ursachen von eingeschränkter Fruchtbarkeit

Neben der Qualität der Spermien des Mannes gibt es weitere Einflussfaktoren auf die Zeugungsfähigkeit, die der Arzt untersucht. Mögliche Ursachen der Kinderlosigkeit sind Erektionsstörungen, Antikörperreaktionen gegen das eigene Sperma, verschiedene Erbkrankheiten oder hormonelle Störungen. Dann sind weitere Untersuchungen gefragt, um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten für diese Probleme herauszustellen.

Lernen Sie, ein Spermiogramm auszuwerten

Anhand einer Samenanalyse (Spermiogramm) wird für gewöhnlich die Anzahl der Spermien ermittelt, z. B. die Anzahl der Spermien pro Milliliter Ejakulat, die Spermamorphologie, d.h. die Form und Beweglichkeit (Fähigkeit zum Forwärtsschwimmen) der Spermien, die Konzentration der weißen Blutkörperchen, die Fruktosemenge im Sperma, die gesamte Spermamenge, der pH-Wert und die Verflüssigungszeit.

Durch Befragung zu Lebensstil und gesundheitliche Vergangenheit (Anamnese) kann der Fruchtbarkeitsspezialist versuchen, die Ursachen für die Zeugungsunfähigkeit des Mannes herauszufinden. Meistens jedoch lassen sich die Gründe für die verminderte Qualität des Spermas nicht eindeutig ermitteln3. Dieses Phänomen wird ungeklärte oder idiopathische Sterilität genannt4.

Vergangenheit und Lebensstil

Während der ersten Gespräche wird der Fruchtbarkeitsmediziner Fragen zu folgenden Punkten stellen:

  • gesundheitliches Befinden
  • chronische Erkrankungen
  • frühere Chemotherapien5
  • Operationen und Unfälle, die Auswirkungen auf Fortpflanzungsorgane hatten
  • Erkrankungen und Probleme im Jugendalter nach der Pubertät
  • bekannte Erbkrankheiten bei Verwandten
  • vorhandene Kinder und Fehlgeburten
  • Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs
  • Alkohol-6, Nikotin-7 oder Drogenkonsum8, 9

Untersuchungen

Der Arzt wird ebenfalls:

  • den Hodensack mit den Hoden und Nebenhoden untersuchen
  • die Funktion der einzelnen Drüsen über den Mastdarm testen
  • eventuell eine transrektale oder skrotale Ultraschalluntersuchung der Fortpflanzungsorgane durchführen

Weitere Tests

Der Fruchtbarkeitsexperte kann z.B. folgende weitere Tests durchführen:

  • Urinuntersuchung nach der Ejakulation, um festzustellen, ob Spermazellen bei der Ejakulation zurück in die Blase oder wirklich durch den Penis wandern (retrograde Ejakulation)
  • Bluttests, um die Anzahl der Hormone zu messen, die in der Hypophyse, im Hypothalamus und in den Hoden (die Testosterone) produziert werden und eine entscheidende Rolle bei der sexuellen Entwicklung und Spermaproduktion spielen
  • Genetische Tests, um mögliche Veränderungen am Y-Chromosom oder diverse erblich bedingte bzw. angeborene Syndrome zu erkennen

Ernährung

Spermazellen sind sowohl während ihrer 74-tägigen Entwicklungsphase und danach sehr instabil. Daher werden jede Stunde rund 10 Millionen Spermien produziert10.

Insbesondere zunehmender oxidativer Stress wird in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen als wesentliche Ursache für den beobachteten Rückgang der Spermienqualität in der Bevölkerung angesehen.11. Zunehmende Umweltbelastungen in Trinkwasser, Luft und Nahrung stehen oft zu geringe Mengen an antioxidativ wirkenden Vitamine, Spurenelementen oder Aminosäuren in der Ernährung gegenüber.

Laut Forschungsberichten können verschiedene Mikronährstoffe die Spermaproduktion verdreifachen und die Beweglichkeit der Spermien verbessern sowie die Ejakulationsmenge steigern12. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft kann so gesteigert werden.

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten

Chlamydien

Nährstoffe für die männliche Fruchtbarkeit

Fruchtbarkeitsspezialisten empfehlen eine mehrmonatige Kur mit Ergänzungsstoffen für Mann und Frau als Standardvorbereitung auf IVF und andere Therapien. Aufgrund der hohen Erfolgsrate und des niedrigen Kostenfaktors werden Nährstoffkuren heutzutage immer häufiger empfohlen – vor allem für Männer ab 35 Jahren.

Anhand einer Urinuntersuchung lässt sich feststellen, ob der Mann mit Chlamydien infiziert ist. Chlamydien sind eine Gattung von Bakterien, die als Parasit innerhalb von Zellen der Schleimhäute leben. Eine Infektion mit Chlamydien ist die am häufigsten übertragene Geschlechtskrankheit. Sollte das Testergebnis positiv ausfallen, verschreibt der Arzt Antibiotika.

Eine unbehandelte Infektion mit Chlamydien kann beim Mann zu Entzündungen der Harnröhre, Prostata und Nebenhoden führen. Etwa 50% der Infektionen verlaufen ohne Symptome, also vom Mann unbemerkt. Bei Verdacht auf eine Chlamydieninfektion sollten Sie daher zügig Ihren Urologen aufsuchen.

Hodenbiopsie

Sollte bei einer Untersuchung nur wenig oder gar kein Sperma im Ejakulat gefunden werden, kann ein Arzt über eine Hodenbiopsie feststellen, ob die Produktion oder der Transport der Spermien gestört ist. Sollte zum Beispiel der Samenleiter verstopft sein, können die Spermien nicht ejakuliert werden.

Lesen Sie mehr zur Hodenbiopsie

Bei einer Hodenbiopsie wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose Zellgewebe aus dem Hoden entnommen13. Dieses Zellgewebe kann anschließend nach Keimzellen abgesucht werden.

Eine Hodenbiopsie ist nur dann sinnvoll, wenn das Paar eine künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers (eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion direkt in die Eizelle, kurz ICSI14) in Erwägung zieht. Denn anhand dieser Methode wird keine höhere Fruchtbarkeit erreicht.

Wenn einmal die Entscheidung für eine Hodenbiopsie gefallen ist, sollte eine Klinik aufgesucht werden, die vorhandene Keimzellen direkt einfrieren kann, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zur Befruchtung von Eizellen zu verwenden. So erspart man sich eine weitere Operation, um Spermien zu entnehmen.

Weitere Untersuchungen zur Fruchtbarkeit eines Paares

Postkoitaltest (PCT)

Wenn alle bisherigen Untersuchungen ergebnislos waren, setzen einige Ärzte den Postkoitaltest zu diagnostischen Zwecken ein15. Andere Ärzte wiederum empfehlen diese Untersuchung bereits zu Beginn der Fruchtbarkeitsbehandlung, da sie schnell und leicht durchzuführen ist.

Bibliographie

  1. Hudson, B. (1987). The infertile couple. Churchill-Livingstone, Edinburgh
  2. http://humrep.oxfordjournals.org/content/18/2/447.full
  3. http://web.stanford.edu/class/siw198q/websites/reprotech/New%20Ways%20of%20Making%20Babies/causemal.htm
  4. http://en.wikipedia.org/wiki/Unexplained_infertility
  5. Paoli D, Gallo M, Rizzo F, Spano M, Leter G, Lombardo F, Lenzi A, Gandini L. Testicular cancer and sperm DNA damage: short- and long-term effects of antineoplastic treatment. Andrology. 2014
  6. Muthusami KR, Chinnaswamy P. Effect of chronic alcoholism on male fertility hormones and semen quality. Fertil Steril. 2005; 84(4): 919-24
  7. Mitra A, Chakraborty B, Mukhopadhay D, Pal M, Mukherjee S, Bannerjee S, Chaudhuri K. Effect of smoking on semen quality, FSH, testosterone level and CAG repeat length in androgen receptor gene of infertile men in an Indian city. Syst Biol Reprod Med. 2012; 58(5): 255-62
  8. http://en.wikipedia.org/wiki/Male_infertility#Diagnosis
  9. Battista N, Pasquariello N, Di Tommaso M, Maccarrone M. Interplay between endocannabinoids, steroids and cytokines in the control of human reproduction. K Neuroendocrinol. 2008; 20(1): 82-9
  10. Padubidri, VG; Daftary, SN, eds. (2011). Shaw’s Textbook of Gynaecology (15th ed.). p. 201
  11. Decline in semen concentration and morphology in a sample of 26 609 men close to general population between 1989 and 2005 in France. http://humrep.oxfordjournals.org/content/early/2012/12/02/humrep.des415.abstract
  12. „http://www.altmedrev.com/publications/5/1/28.pdf“
  13. http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/003908.htm
  14. „http://en.wikipedia.org/wiki/Intracytoplasmic_sperm_injection“
  15. Hessel M, Brandes M, Bruin JPD, Bots RS, Kremer JA, Nelen WL, Hamilton CJ. Long-term ongoing pregnancy rate and mode of conception after a positive and negative post-coital test. Acta Obstet Gynecol Scand. 2014; 93(9): 913-20
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